Einem Artikel in der Frankfurter Rundschau zufolge klagen einige Hartz-IV-Empfänger gegen den den Sender Sat1, die
Bild-Zeitung und Bild-Online. Sie waren von Sozialfahndern des Landkreises Offenbach in ihrer Wohnung besucht worden,
die die Rechtmäßigkeit der Arbeitslosengeld II-Zahlungen überprüften - in Begleitung eines Kamerateams von Sat1 für
die Reality-Doku "Gnadenlos gerecht". Wer die Dokus nicht gesehen hat, hat nicht viel verpasst. Die Suche nach
"Sozialschmarotzern" im Fernsehen hatte schon vor dem Start Proteste ausgelöst (siehe z.B. den Blog-Eintrag von Stefan Niggemeier).
Die Betroffenen werfen Sat1 vor, dass sich das Filmteam nicht zu erkennen gegeben habe, sondern lediglich davon
gesprochen habe, dass die Arbeit des Kreises gefilmt worden sei. Außerdem seien Tatsachen falsch dargestellt worden,
die sich auch leicht anderweitig hätten überprüfen lassen. Eine Strafanzeige gegen die Sozialfahnder behalten sich
die Betroffenen noch vor.
Angeblich soll Sat1 schon eine Unterlassungserklärung abgegeben haben. Was ihnen auch nicht schwer gefallen sein
dürfte, denn unabhängig davon ob die "Doku" weitergeführt wird, werden sie wohl kaum noch einmal in der gleichen
Wohnung auftauchen.
Mehr dazu in einem Artikel sowie einem Kommentar der Frankfurter Rundschau.
Artikel mit Tag fernsehen
Donnerstag, 2. Oktober 2008
Klagen gegen Sat1-Reality-Doku "Gnadenlos gerecht"
Montag, 8. September 2008
So macht man Werbung oder: Pro 7 als Subway-Haussender (Update 10.9.)
Stefan Niggemeier hatte vor einigen Wochen kritisiert, dass die Reality-Dokus und Wissenschaftssendungen auf Pro
7 den Eindruck erweckten, als wäre ihr Hauptzweck die Promotion irgendwelcher Franchise-Fastfoodketten. Pro 7 hatte auf
seine Nachfrage natürlich erklärt, dass die Berichterstattung nur journalistische Gründe habe.
Nun legt Stefan Niggemeier mit einer Pressemeldung der PR-Agentur foleys nach, die tief blicken lässt.
Die Offenheit, mit der die PR-Agentur ihre erfolgreiche Schleichwerbung anpreist, überrascht dann doch (die Medienaufsicht scheint ja wirklich als zahnlos eingeschätzt zu werden). Insbesondere kommt die Frage auf, was Pro 7 davon hat. Da die Werbung laut foleys ja "kostenlos" war, scheiden finanzielle Gründe aus. Somit bleiben nur noch die Essvorlieben der zuständigen Redakteure - oder Pro 7 (und wie aus der ganzen Pressemeldung hervorgeht auch Kabel 1) hat wirklich große Probleme, die eigenen Formate mit Inhalt zu füllen und rennt jedem hinterher, der zwei Worte in ein Mikro stammeln kann.
Insbesondere das letzte Zitat stimmt mich froh. Über die Ausgewogenheit im deutschen Fernsehen müssen wir uns also keine Sorge machen - schließlich geht es nicht nur um die Produkte der Schleichwerber, nein auch die anderen Facetten werden "gut beleuchtet".
Man kann das natürlich auch noch weiterspinnen. Wenn sich so erfolgreich "Wissenschaftsmagazine" und Reality-Dokus mit Fastfood füllen lassen, wieso gehen wir nicht noch ein paar Schritte weiter? Die nächste Serie spielt bei McDonald's. Die Nachrichten füllen wir mit neuem Bratfett bei Burger King und kaltem Kaffee bei Starbucks. Das Wetter wird aus dem Pizza Hut um die Ecke präsentiert und die Hauptfiguren des Primetime-Spielfilms frühstücken bei Dunkin' Donuts (sollten sich weitere bekannte Fastfood-Ketten nun diskriminiert fühlen, bitte ich um Mitteilung an die Pro 7-Programmredaktion
).
Ein Gerücht wird wohl bleiben, dass Pro 7 in Zukunft Pro Sub® heißen wird - auch wenn das wohl keinen mehr wirklich wundern würde...1
1 Die Diskussionen, ob Sub die Abkürzung für Subway oder Subventioniertes Programm sein soll, sind noch nicht abgeschlossen...
Update: Stefan Niggemeier hat weitere Details ausgegraben: Im Quelltext des Content Management Systems des Unternehmens fanden sich unveröffentlichte Details zur Platzierung von Subways-Werbung im Fernsehen. Mittlerweile hat sich auch die PR-Agentur foleys in den Kommentaren zu dem aktuellen Beitrag zu Wort gemeldet und fühlt sich mißverstanden und als Opfer einer Kampagne.
Amüsant ist besonders dieser Ausschnitt des Kommentars:
Diesen Satz von einer PR-Agentur finde ich bemerkenswert. Was ins Netz gestellt wird, kann natürlich auch von jedem gelesen werden - ob die Seite nur für potentielle Neukunden gedacht ist, oder nicht. Wenn man sich als PR-Agentur darüber beschwert, sollte man sich Gedanken über die Kompetenz der eigenen Kommunikationsfachleute machen...
Nun legt Stefan Niggemeier mit einer Pressemeldung der PR-Agentur foleys nach, die tief blicken lässt.
Schon im letzten Jahr ist es foleys PR gelungen, SUBWAY® Sandwiches in bekannten TV-Formaten wie „Galileo” oder „Deine Chance – 3 Bewerber, 1 Job” auf PRO7 zu platzieren. Auch in 2008 zeigt sich die Ulmer Agentur auf diesem Gebiet sehr erfolgreich...
Das Team von foleys PR initiierte und begleitete dabei alle Drehs, bereitete deren Inhalte vor, briefte die Protagonisten und TV-Teams und stand ihnen und den jeweiligen Franchisepartnern vor ORt mit Rat und Tat als verantwortliche Kontrollinstanz (und Pressesprecher) zur Seite. Das Resultat: Über 73 Minuten kostenlose TV-Präsenz für SUBWAY® Sandwiches, mit 12,91 Millionen Gesamteinschaltquote und einem Mediagegenwert von über zwei Millionen Euro.
Die Offenheit, mit der die PR-Agentur ihre erfolgreiche Schleichwerbung anpreist, überrascht dann doch (die Medienaufsicht scheint ja wirklich als zahnlos eingeschätzt zu werden). Insbesondere kommt die Frage auf, was Pro 7 davon hat. Da die Werbung laut foleys ja "kostenlos" war, scheiden finanzielle Gründe aus. Somit bleiben nur noch die Essvorlieben der zuständigen Redakteure - oder Pro 7 (und wie aus der ganzen Pressemeldung hervorgeht auch Kabel 1) hat wirklich große Probleme, die eigenen Formate mit Inhalt zu füllen und rennt jedem hinterher, der zwei Worte in ein Mikro stammeln kann.
foleys PR achtet dabei auf Ausgewogenheit: Nicht nur die Produkte der Sandwichmacher sollen dem deutschen Fernsehpublikum präsentiert werden. Die PR-Spezialisten legen auch Wert darauf, dass alle Facetten ihres Kunden gut beleuchtet werden.
Insbesondere das letzte Zitat stimmt mich froh. Über die Ausgewogenheit im deutschen Fernsehen müssen wir uns also keine Sorge machen - schließlich geht es nicht nur um die Produkte der Schleichwerber, nein auch die anderen Facetten werden "gut beleuchtet".
Man kann das natürlich auch noch weiterspinnen. Wenn sich so erfolgreich "Wissenschaftsmagazine" und Reality-Dokus mit Fastfood füllen lassen, wieso gehen wir nicht noch ein paar Schritte weiter? Die nächste Serie spielt bei McDonald's. Die Nachrichten füllen wir mit neuem Bratfett bei Burger King und kaltem Kaffee bei Starbucks. Das Wetter wird aus dem Pizza Hut um die Ecke präsentiert und die Hauptfiguren des Primetime-Spielfilms frühstücken bei Dunkin' Donuts (sollten sich weitere bekannte Fastfood-Ketten nun diskriminiert fühlen, bitte ich um Mitteilung an die Pro 7-Programmredaktion
Ein Gerücht wird wohl bleiben, dass Pro 7 in Zukunft Pro Sub® heißen wird - auch wenn das wohl keinen mehr wirklich wundern würde...1
1 Die Diskussionen, ob Sub die Abkürzung für Subway oder Subventioniertes Programm sein soll, sind noch nicht abgeschlossen...
Update: Stefan Niggemeier hat weitere Details ausgegraben: Im Quelltext des Content Management Systems des Unternehmens fanden sich unveröffentlichte Details zur Platzierung von Subways-Werbung im Fernsehen. Mittlerweile hat sich auch die PR-Agentur foleys in den Kommentaren zu dem aktuellen Beitrag zu Wort gemeldet und fühlt sich mißverstanden und als Opfer einer Kampagne.
Amüsant ist besonders dieser Ausschnitt des Kommentars:
Wir haben uns auf unserer Website, die rein zur Eigenwerbung gegenüber Neukunden dient, auf welcher wir auch nie eine Pressemeldung veröffentlich haben, evtl. missverständlich ausgedrückt.
Diesen Satz von einer PR-Agentur finde ich bemerkenswert. Was ins Netz gestellt wird, kann natürlich auch von jedem gelesen werden - ob die Seite nur für potentielle Neukunden gedacht ist, oder nicht. Wenn man sich als PR-Agentur darüber beschwert, sollte man sich Gedanken über die Kompetenz der eigenen Kommunikationsfachleute machen...
Freitag, 6. Juni 2008
Kanal Telemedial droht der Lizenzentzug
Ein Gruß an alle “telemedialen Freunde” (nein, nicht den echten, sondern an die kritischen Beobachter des
“Esoterik-Teleshoppingsenders)! Das “Aufsichtsbehördle” bringt frohe Kunde:
Meinem persönlichen (aktuellen) Tiefpunkt des Fernsehens könnte bald das Licht ausgeknipst werden. Allerdings (leider) nicht wegen der Inhalte, der Grund des Bescheids der österreichischen Kommunikationsbehörde (KommAustria) ist viel banaler: Kanal Telemedial besitzt eine österreichische Lizenz. Für diese ist aber - etwas vereinfacht - Voraussetzung, dass die Firma auch tatsächlich in Österreich sitzt bzw. zumindest die Programmentscheidungen in Österreich getroffen werden. “Dummerweise hat” Kanal Telemedial dies über mehr als ein Jahr nicht getan und somit der KommAustria eine Steilvorlage gegeben. Wer über längere Zeit postalisch in Österreich nicht erreichbar ist und auch keine (Fernseh-) Techniker am (laut Lizenz offiziellen) Sendeort Wien beschäftigt, ist aber auch wirklich selbst schuld.
Der Bescheid ist allerdings noch nicht rechtskräftig, aber zumindest Hoffnung besteht. Wer sich genauer informieren möchte, findet den Bescheid als PDF auf der Seite der österreichischen Regulierungsbehörde zum Download.
Spekulieren dürfen wir natürlich darüber, ob die KommAustria den Lizenzentzug aufgrund der “Österreich-Verweigerung” von Kanal Telemedial nur als schnellstes Mittel angesehen hat, um dem Übel Einhalt zu gebieten. Hoffentlich hat die KommAustria auch noch einen Trumpf im Ärmel, falls die Entscheidung doch noch kassiert werden sollte. Lassen wir uns überraschen, wie Thomas G. Hornauer darauf reagieren wird. Wenn eine seiner berühmten Beschimpfungsarien folgt, könnte Kanal Telemedial in den nächsten Tagen ganz besonders interessant werden.
Ein Lichtstreif am Horizont.
Meinem persönlichen (aktuellen) Tiefpunkt des Fernsehens könnte bald das Licht ausgeknipst werden. Allerdings (leider) nicht wegen der Inhalte, der Grund des Bescheids der österreichischen Kommunikationsbehörde (KommAustria) ist viel banaler: Kanal Telemedial besitzt eine österreichische Lizenz. Für diese ist aber - etwas vereinfacht - Voraussetzung, dass die Firma auch tatsächlich in Österreich sitzt bzw. zumindest die Programmentscheidungen in Österreich getroffen werden. “Dummerweise hat” Kanal Telemedial dies über mehr als ein Jahr nicht getan und somit der KommAustria eine Steilvorlage gegeben. Wer über längere Zeit postalisch in Österreich nicht erreichbar ist und auch keine (Fernseh-) Techniker am (laut Lizenz offiziellen) Sendeort Wien beschäftigt, ist aber auch wirklich selbst schuld.
Der Bescheid ist allerdings noch nicht rechtskräftig, aber zumindest Hoffnung besteht. Wer sich genauer informieren möchte, findet den Bescheid als PDF auf der Seite der österreichischen Regulierungsbehörde zum Download.
Spekulieren dürfen wir natürlich darüber, ob die KommAustria den Lizenzentzug aufgrund der “Österreich-Verweigerung” von Kanal Telemedial nur als schnellstes Mittel angesehen hat, um dem Übel Einhalt zu gebieten. Hoffentlich hat die KommAustria auch noch einen Trumpf im Ärmel, falls die Entscheidung doch noch kassiert werden sollte. Lassen wir uns überraschen, wie Thomas G. Hornauer darauf reagieren wird. Wenn eine seiner berühmten Beschimpfungsarien folgt, könnte Kanal Telemedial in den nächsten Tagen ganz besonders interessant werden.
Ein Lichtstreif am Horizont.
Montag, 26. Mai 2008
Kanal Telemedial oder Es geht immer noch schlimmer (Update 5.6.)
So ziemlich jedes Jahr (mindestens!) einmal hat man in punkto Fernsehen das Gefühl: es kann doch eigentlich nicht
schlimmer werden. Ohne groß nachzudenken erinnere ich mich an (in wahlloser Reihenfolge) Nachmittags-Talkshows
(Stichwort: Ich-entblöße-mich-vor-allen oder Wie-lässt-sich-das-gleiche- Thema-unter-zig-Mottos-verkaufen), Big
Brother, diverse Clip-Sendungen (teilweise sieht man Leute, die weiter mit der Kamera drauf halten, wenn ihr Kind
irgendwo gegen knallt, anstatt dem Kind zu helfen…), Deutschland sucht den Superstar, Call-In-Sendungen… (ich
vergesse bestimmt vieles…
)
Samstag war es bei mir wieder einmal so weit. Ich versuche mich jetzt auch zu bessern und gehe ab jetzt davon aus, dass es immer schlimmer werden wird. Aber, ich sollte von vorne anfangen…
Samstag Abend zappe ich in der Werbepause durch die Programme und bleibe auf dem Programmplatz hängen, auf dem tagsüber der Kinderkanal läuft. Ein Trommeln ist zu hören, zu sehen sind ein paar ineinandergeblendete Menschen, eine Kerze. Das alleine wirkt auf mich schon komisch, hängen bleibe ich aber an dem Text, der unten durchs Bild läuft.
Telemedial stellt sich als Free Pay TV-Sender aus (ich bin mir nicht sicher, ob das Wort fair nicht auch noch vorkam). Man wurde als Zuschauer aufgefordert, einen “Energieausgleich” zu leisten. Will heißen, Telemedial überträgt angeblich gute Energie und der Zuschauer revanchiert sich mit seinem Bankkonto (bzw. seinem Telefonhörer). Ein Abend Telemedial schlägt dann mit 15 Euro zu Buche, es gibt aber auch die Möglichkeit für einen ganzen Monat zu bezahlen. Telemedial zeigt sich auch sozial engagiert, es gibt auch einen Tarif für sozial Schwache - und zwischendrin für sozial schwache Raucher.
In der nächsten Werbepause sitzen dann einige Personen ziemlich unmotiviert auf dem Sofa. Es redet eigentlich nur einer, Thomas G. Hornauer. Seine Begleiterinnen scheinen nur Deko zu sein, nur eine Person ergreift ab und zu das Mikro. Allerdings, wenn es um Deko geht, hätte man vielleicht auch andere Personen auswählen sollen - aber das ist ein anderes Thema…
Telemedial ist schon fast verstörend. Das Erscheinen ist unprofessionell, unvorbereitet. Ständig entstehen Pausen, die Kameras sind selbst im Bild. Vermutlich würde es jeder besser machen, der mal ein paar Wochen Praktikant bei einem (richtigen) Sender war. Die Zuschauer werden aufgefordert, doch anzurufen und mitzureden (auf einer Hotline für 2 Euro die Minute), einige lesen ihre selbstverfassten Gedichte los und werden von Thomas G. Hornauer teilweise ewig in der Leitung gehalten… Zwar geht der Counter (”TIM”) der “Spender” nicht nach oben, aber es wird bestimmt Menschen geben, die ihr Geld loswerden werden…
Letztlich ist der Sender das bisher perfideste Beispiel Geld zu machen. Ich schwimme auf der Esoterik-Welle, verkaufe “Energie” über das Fernsehen und gebe mir noch nicht Mal die Mühe den Eindruck zu erwecken, etwas dafür zu leisten (wenn gleich bei anderen Sendungen “Leistungen” wie Karten legen ebenso zweifelhaft sind - aber sie tun wenigstens so als ob…)
Während ich das hier schreibe läuft im Hintergrund der Live-Stream von Telemedial. In gewisser Weise ist der Sender wirklich fesselnd, weil man nicht fassen kann, dass es so etwas tatsächlich gibt. Noch schlimmer, dass es Menschen gibt, die ihr Geld dafür zum Fenster herauswerfen… Im Moment wird gerade diskutiert, anscheinend hat man ein paar Jugendliche (Gothics) eingesammelt, um über das Thema Kurzsichtigkeit und Ignoranz der Gesellschaft (letztlich aber über das Thema Religion und Übersinnliches) zu diskutieren. So wie der Großteil der Teilnehmer ist auch das Niveau der Diskussion, mit viel gutem Willem gymnasiale Oberstufe (eine Teilnehmerin musste übrigens mitten in der Diskussion nach Hause…
).
Auch wenn es für die Jugendlichen wohl eine tolle Möglichkeit für 15 Minuten Ruhm ist (oder wie sie es ausdrücken, eine Chance ist ihre Lebensweise als Gothic darstellen zu können), wenn man so einfach Geld machen kann, sollte ich mir auch mal Gedanken machen. Im Netz finden sich übrigens einige Blogs zum Sender, auch der Wikipedia-Artikel bietet einen guten Einstieg. Ein Blog, das “Aufsichtsbehördle” hat es wohl sogar zu so eine Art “Erzfeind” gebracht und wird namentlich in den Sendungen erwähnt… Wenn man dann mal die Youtube-Ausschnitte durchwühlt, kann man es immer weniger nachvollziehen, dass so etwas senden darf - beim analogen Satellitenempfang sogar auf dem gleichen Kanal wie der Kinderkanal. Eine (geringe) Hoffnung bleibt: ein paar Zeitungsartikeln zu Folge hat Thomas G. Hornauer massive finanzielle Probleme und könnte nur mit einer Millionenspende überleben. Hoffen wir, dass es stimmt und dass diese Spende ausbleibt - oder die zuständige österreichische Medienaufsicht doch noch ein Einsehen hat…
Ich gelobe nun öffentlich Besserung. Was Fernsehen angeht, geht es immer schlimmer. Ja, auch schlimmer als Telemedial, da bin ich mir sicher. Irgend jemand wird eine Idee und das nötige Kleingeld haben. Ich bin gespannt, was sich uns als nächstes bieten wird…
Update 5.06.08: Auch der Journalist und Blogger Stefan Niggemeier hat Kanal Telemedial einen Beitrag gewidmet.
Samstag war es bei mir wieder einmal so weit. Ich versuche mich jetzt auch zu bessern und gehe ab jetzt davon aus, dass es immer schlimmer werden wird. Aber, ich sollte von vorne anfangen…
Samstag Abend zappe ich in der Werbepause durch die Programme und bleibe auf dem Programmplatz hängen, auf dem tagsüber der Kinderkanal läuft. Ein Trommeln ist zu hören, zu sehen sind ein paar ineinandergeblendete Menschen, eine Kerze. Das alleine wirkt auf mich schon komisch, hängen bleibe ich aber an dem Text, der unten durchs Bild läuft.
Telemedial stellt sich als Free Pay TV-Sender aus (ich bin mir nicht sicher, ob das Wort fair nicht auch noch vorkam). Man wurde als Zuschauer aufgefordert, einen “Energieausgleich” zu leisten. Will heißen, Telemedial überträgt angeblich gute Energie und der Zuschauer revanchiert sich mit seinem Bankkonto (bzw. seinem Telefonhörer). Ein Abend Telemedial schlägt dann mit 15 Euro zu Buche, es gibt aber auch die Möglichkeit für einen ganzen Monat zu bezahlen. Telemedial zeigt sich auch sozial engagiert, es gibt auch einen Tarif für sozial Schwache - und zwischendrin für sozial schwache Raucher.
In der nächsten Werbepause sitzen dann einige Personen ziemlich unmotiviert auf dem Sofa. Es redet eigentlich nur einer, Thomas G. Hornauer. Seine Begleiterinnen scheinen nur Deko zu sein, nur eine Person ergreift ab und zu das Mikro. Allerdings, wenn es um Deko geht, hätte man vielleicht auch andere Personen auswählen sollen - aber das ist ein anderes Thema…
Telemedial ist schon fast verstörend. Das Erscheinen ist unprofessionell, unvorbereitet. Ständig entstehen Pausen, die Kameras sind selbst im Bild. Vermutlich würde es jeder besser machen, der mal ein paar Wochen Praktikant bei einem (richtigen) Sender war. Die Zuschauer werden aufgefordert, doch anzurufen und mitzureden (auf einer Hotline für 2 Euro die Minute), einige lesen ihre selbstverfassten Gedichte los und werden von Thomas G. Hornauer teilweise ewig in der Leitung gehalten… Zwar geht der Counter (”TIM”) der “Spender” nicht nach oben, aber es wird bestimmt Menschen geben, die ihr Geld loswerden werden…
Letztlich ist der Sender das bisher perfideste Beispiel Geld zu machen. Ich schwimme auf der Esoterik-Welle, verkaufe “Energie” über das Fernsehen und gebe mir noch nicht Mal die Mühe den Eindruck zu erwecken, etwas dafür zu leisten (wenn gleich bei anderen Sendungen “Leistungen” wie Karten legen ebenso zweifelhaft sind - aber sie tun wenigstens so als ob…)
Während ich das hier schreibe läuft im Hintergrund der Live-Stream von Telemedial. In gewisser Weise ist der Sender wirklich fesselnd, weil man nicht fassen kann, dass es so etwas tatsächlich gibt. Noch schlimmer, dass es Menschen gibt, die ihr Geld dafür zum Fenster herauswerfen… Im Moment wird gerade diskutiert, anscheinend hat man ein paar Jugendliche (Gothics) eingesammelt, um über das Thema Kurzsichtigkeit und Ignoranz der Gesellschaft (letztlich aber über das Thema Religion und Übersinnliches) zu diskutieren. So wie der Großteil der Teilnehmer ist auch das Niveau der Diskussion, mit viel gutem Willem gymnasiale Oberstufe (eine Teilnehmerin musste übrigens mitten in der Diskussion nach Hause…
Auch wenn es für die Jugendlichen wohl eine tolle Möglichkeit für 15 Minuten Ruhm ist (oder wie sie es ausdrücken, eine Chance ist ihre Lebensweise als Gothic darstellen zu können), wenn man so einfach Geld machen kann, sollte ich mir auch mal Gedanken machen. Im Netz finden sich übrigens einige Blogs zum Sender, auch der Wikipedia-Artikel bietet einen guten Einstieg. Ein Blog, das “Aufsichtsbehördle” hat es wohl sogar zu so eine Art “Erzfeind” gebracht und wird namentlich in den Sendungen erwähnt… Wenn man dann mal die Youtube-Ausschnitte durchwühlt, kann man es immer weniger nachvollziehen, dass so etwas senden darf - beim analogen Satellitenempfang sogar auf dem gleichen Kanal wie der Kinderkanal. Eine (geringe) Hoffnung bleibt: ein paar Zeitungsartikeln zu Folge hat Thomas G. Hornauer massive finanzielle Probleme und könnte nur mit einer Millionenspende überleben. Hoffen wir, dass es stimmt und dass diese Spende ausbleibt - oder die zuständige österreichische Medienaufsicht doch noch ein Einsehen hat…
Ich gelobe nun öffentlich Besserung. Was Fernsehen angeht, geht es immer schlimmer. Ja, auch schlimmer als Telemedial, da bin ich mir sicher. Irgend jemand wird eine Idee und das nötige Kleingeld haben. Ich bin gespannt, was sich uns als nächstes bieten wird…
Update 5.06.08: Auch der Journalist und Blogger Stefan Niggemeier hat Kanal Telemedial einen Beitrag gewidmet.



Kommentare
Do, 04.09.2008 08:06
Das Thema Datenschutz scheint doch nicht so unbeachtet zu se in, wie man manchmal hört. Die Zahl der Anfragen, die [...]
Do, 04.09.2008 08:06